Höhere Erträge, weniger Wasser – Praxistest Biokartoffelanbau
Kai-Uwe Eisenhut (Dipl.-Ing.agr.)
Projektmanager Maschinentechnik & Wassermanagement am 08.03.2021
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Höhere Erträge, weniger Wasser – Praxistest Biokartoffelanbau

Weniger Wasser und Dünger - mit Tropfbewässerung werden im konventionellen Kartoffelanbau Ressourcen gespart und der Boden geschont. Nun ist die Frage, ob sich diese Ergebnisse auch auf den Biokartoffelanbau übertragen lassen, der ganz andere Voraussetzungen hat. Hier zeigen die Ergebnisse eines aktuellen Praxistests auf dem Biohof Eilte im niedersächsischen Ahlden: In der ökologischen Kartoffelproduktion wird mit Tropfbewässerung weniger Wasser benötigt und die Ernteerträge steigen.

Kai-Uwe Eisenhut (Dipl.-Ing.agr.)
Projektmanager Maschinentechnik & Wassermanagement am 08.03.2021
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Im Biokartoffelanbau gibt es einige Herausforderungen, mit denen Landwirte zurechtkommen müssen: Da ist etwa die begrenzte Stickstoffversorgung, ein hoher Krankheitsdruck durch fehlende Möglichkeiten der Bekämpfung von Schädlingen mit chemischen Pflanzenschutzmitteln sowie eine starke Verunkrautung gerade gegen Ende des Vegetationszeitraums.

Doch die Nachfrage nach Biokartoffeln wächst, so dass immer mehr Landwirte auf den ökologischen Anbau umstellen. 2015 wurden auf ca. 8.800 Hektar Kartoffeln nach biologischen Richtlinien angebaut. Das entspricht ca. 3,7 Prozent der gesamten Kartoffelanbaufläche in Deutschland. Der gesamte Marktwareertrag liegt bei 106.000 Tonnen – ein Ertrag von rund 20 Tonnen je Hektar. Das sind rund 50 bis 60 Prozent weniger als im konventionellen Anbau, was jedoch durch höhere Erzeugerpreise ausgeglichen wird.

Vor diesem Hintergrund ist es umso wichtiger zu untersuchen, ob sich die positiven Ergebnisse der Tropfbewässerung im konventionellen Anbau auch auf die Bioproduktion übertragen lassen. Deshalb wurde dies in einem Praxistest auf dem Biohof Eilte im niedersächsischen Ahlden 2020 untersucht. Die Tropfbewässerungsanlage kam dabei von Netafim und wurde von der Firma LG Rain GmbH geplant und in den Boden eingebracht. Die Ergebnisse wurden im Rahmen einer Projektarbeit der Universität Kassel-Witzenhausen, Fachbereich ökologische Agrarwissenschaften, dokumentiert.

In dem Praxistest wurden u.a. folgende Fragestellungen untersucht:

  • Wann ist der beste Zeitpunkt für die Verlegung der Tropfrohre?
  • Wieviel Wasser kann gespart werden?
  • Welchen Einfluss hat die Tropfbewässerung auf die Qualität der Kartoffeln?
  • Werden Kartoffeln vor der Ernte durch die Entnahme der Tropfrohre beschädigt?
  • Wie kann die Tropfbewässerung mit den mechanischen Unkrautbehandlungsmaßnahmen zusammengeführt werden?
  • Werden die Tropfrohre durch mechanische Unkrautbehandlungen beschädigt?

Zum Verlegen und Bergen der Tropfrohre kam die Netafim-Maschinentechnik zum Einsatz:

 

Die Unkrautbekämpfung sowie die Krautreduzierung wurden mit folgenden Geräten durchgeführt:

  • Reihengrubber
  • Treffler Striegler
  • Grimme Häufler
  • AVR Häuffler
  • Envo-Dan Abflamtechnik

Das gesamte Versuchsfeld wurde in vier Blöcke mit je sieben Messpunkten aufgeteilt.

Das Design des Praxistests war wie folgt:

  • Block 0: Kontrolle: betriebsübliche Trommelberegnung
  • Block 1: Tropfbewässerung
  • Block 2: Tropfbewässerung, spätere Verlegung
  • Block 3: Tropfbewässerung, spätere Verlegung, AVR-Speedriger (Häufelgereät)

Die Tropfrohre wurden in den Blöcken eins bis drei an verschiedenen Zeitpunkten auf den Kartoffeldämmen verlegt. Ziel war es, den besten Zeitpunkt für das Verlegen herauszufinden.

Die Datenaufnahme erfolgte nach folgendem Muster:

Messpunkte:

  • Tropfschlauchposition
  • Unkraut (40 cm x 40 cm)
  • Ertragsprognose

 

Erntegut (vor der Ernte):

  • Gewicht / prognostizierter Ertrag
  • Phytosanität (Rhizoctonia, Schorf, Grün, Drahtwurm)
  • Kaliber

 

Erntegut nach der Ernte:

  • Ertrag basierend auf Kistenzählung

Die Datenaufnahme erfolgte in den Punkten:

  • Verlegetiefe und laufende Erfassung der Lage des Topfrohres im Kartoffeldamm nach jeder Bodenbearbeitungsmaßnahme
  • Bonitierung hinsichtlich des Unkrautbestandes
  • Kartoffelertrag jedes Blocks
  • Erfassung des Gesundheitsstatus (Phytosanität)
  • Qualität der Tropfrohrbergung (Beschädigung an den Kartoffeln, eventuelles Herausroden)
  • Wasserverbrauch im Vergleich zur Überkopfbewässerung

 

Eine der wichtigsten Fragestellungen dieses Versuches war, wie tief und zu welchem Zeitpunkt das Tropfrohr nach der Pflanzung in den Kartoffeldamm verlegt werden muss, damit es durch die nachfolgenden Bodenbearbeitungsmaßnahmen nicht beschädigt wird.

Die vom Betrieb bevorzugte Variante mit Häufelgerät und Striegel im Wechsel führte zu einem insgesamt sehr guten Ergebnis. Gerade der Striegel ließ sich besonders exakt einstellen. Die Überdeckung des Tropfrohres mit Erdreich nach den Striegelmaßnahmen lag bei nicht unter einem Zentimeter. Das letzte Häufeln überdeckte das Tropfrohr mit einer Erdschicht von ca. sechs Zentimetern.

Eine Grundvoraussetzung für das Erzielen eines solchen Ergebnisses ist, dass alle Maschinen hinsichtlich der eingestellten Maße aufeinander abgestimmt sein müssen. Dringend empfohlen wird die Verwendung eines automatischen Lenksystems (RTK).

Die Bekämpfung des Unkrautes in den Blöcken der Tropfbewässerung gestaltete sich gut bis befriedigend. Auf Grund der noch geringen Erfahrungen muss aber weiter an einer Verfeinerung der Methode im Zusammenspiel der Maschinen gearbeitet werden.

Der Ernteertrag wurde anhand über zwei Wege ermittelt: per Hand geerntete und gewogene Kartoffel sowie bei maschineller Ernte über das Zählen von Kisten (Faktor 1,7).

Und das waren die Erträge:

  Ertrag* in t/ha (median) Ertrag** in t/ha
Block 0 33,17 24
Block 1 44,45 31,45
Block 2 35,68 34
Block 3 45,17 34,85
  *Handernte an den Messpunkten

**Maschinelle Ernte, Kistenzählung

Es zeigte sich bei beiden Methoden zur Ernteermittlung, dass der Ertrag in dem traditionell bewässerten Block deutlich geringer ausfiel. Innerhalb der tropfbewässerten Blöcke gab es hinsichtlich der Ernteermittlungsmethoden Unterschiede. Auch sind gerade bei der maschinellen Ernte die Unterschiede doch recht gering. Mit im Schnitt 40 Prozent Ertragszuwachs gegenüber der traditionellen Variante fällt das Ergebnis jedoch deutlich aus.

Im Rahmen der Handernte wurde gleichzeitig auch eine Bonitierung hinsichtlich Größe vorgenommen.

Der Anteil vermarktungsfähiger Ware (35-65 mm, Bundessortenamt 2019) betrug:

  • Block 0: 88,6 %
  • Block 1: 88,1 %
  • Block 2: 91,8 %
  • Block 3: 95,2 %

Demnach war der Marktwareertrag in den Blöcken zwei und drei besonders hoch. Im Schnitt brachte also die Tropfbewässerung deutlich bessere Ergebnisse.

Der Wasserverbrauch wurde durch den Betrieb ermittelt. Angabe gemäß Betrug der Wasserverbrauch bei dem traditionell bewässerten Block 113 l/m², dagegen waren es bei den drei tropfbewässerten Blöcken im Schnitt nur 95 l/m².

Ein weiteres Ergebnis des Versuches war, dass es durch das Bergen der Tropfrohre vor der Ernte kaum zum Freilegen von Kartoffeln kam, was zu einem zusätzlichen Anteil an grünen Kartoffeln hätte führen können.

Mit zunehmender Erfahrung wird auch ein noch besseres Ergebnis hinsichtlich unbeabsichtigter Beschädigung der Tropfrohre durch die Bodenbearbeitungsmaßnahmen sowie des Unkrautmanagements zu erzielen sein.

Der technische Aufbau des Praxistexts zur Tropfbewässerung im Anbau von Biokartoffeln wurde von NETAFIM zusammen mit dem Biohof Eilte umgesetzt. Die Auswertung der Ergebnisse erfolgte von Hans Tüllmann für seine Arbeit: "Unterflurbewsserung im Kartoffelbau", 2020.

 

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